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Vorsicht

01.11.06 Ich zögere nicht, einen Irrtum einzugestehen: Ich habe die Gefahren des Passivrauchens unterschätzt.

Während eines Abendessens in Nizza betrat ein amerikanisches Paar das Restaurant. Er, sportlich, um die 50, fragte den Kellner auf englisch, ob in diesem Lokal geraucht werde, er selbst sei Nichtraucher. Der Kellner antwortete nur mit „yes“, yes“, wies dem Paar unseren Nebentisch zu und verkaufte ihm zunächst den teuersten Rotwein des Hauses, einen auch in den Staaten bekannten Designer-Chianti. Die Amerikanerin, höchstens halb so alt wie ihr Begleiter, strahlte.

Als das Paar nach qualvoll langem Gackern und Gockeln endlich seine Vor- und Hauptspeisen gegessen hatte, zündete ich mir eine Gitanes an. Der Amerikaner starrte mich entsetzt an, Zorn verfärbte sein Gesicht, doch da er sich nicht zu brüllen traute, presste er seine Empörung gehemmt heraus, wodurch sich sein Gesicht noch mehr rötete und er mit dem ganzen Körper zu zittern begann. Seine Begleiterin versuchte ihn sehr charmant zu beruhigen, erklärte ihm, dass in Frankreich das Rauchen in Restaurants noch nicht verboten sei und dass er sich doch des bisschen Rauches wegen nicht den schönen Abend, an dieser Stelle lächelte sie vielversprechend, verderben lassen solle. Im Übrigen habe er doch nicht einmal bemerkt, dass die Dame hinter ihm sich bereits die dritte Zigarette angezündet habe.

Es half nichts, der Mann bekam vor Aufregung kaum noch Luft, fuchtelte mit Armen und Beinen und schien einem Herzinfarkt nahe. Da seine Begleiterin seine Empörung, seine Not nicht genügend teilen konnte oder wollte, sprach er ein Paar am zweiten Nachbartisch an, die zu seinem Glück ebenfalls Amerikaner waren. (Trotzdem ist das Essen bei „Oscar“ vorzüglich.) Sie stimmten seinem Empörungsstakkato zwar ruhig, doch bestätigend zu, wodurch sich der Mann schließlich fasste und sogar wieder anfing, sich und seine Fähigkeiten seiner Begleiterin ausführlich zu preisen.

Inzwischen hatte ich meinen köstlichen Nachtisch verzehrt, und als nun Espresso und Marc gereicht wurden, zündete ich mir meine zweite Zigarette des Abends an. Der Amerikaner, der gerade die Hand seiner Begleiterin liebkoste, sprang auf, ächzte, als das Feuerzeug noch brannte, „smoke“, stürzte, stolperte, schleppte sich zur Toilette und ward von mir nicht mehr gesehen.

Seit diesem und ähnlich erschreckenden Erlebnissen mit Engländern und Niederländern in Südfrankreich glaube auch ich, dass Passivrauchen tödlich sein, zumindest einen Herzinfarkt auslösen kann. Dass die Gefahr nicht im Zigarettenrauch, sondern im Psychoterror der Antiraucheraktivisten liegt, macht die Sache nicht harmloser.

pawek@web.de © 2006 Karl Pawek a

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