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Vorsicht

02.02.06 Geiz ist geil in Deutschland, aber noch geiler ist die Dummheit. Nun sollen die Bundesbürger auch tagsüber mit Licht fahren, weil das Tagfahrlicht angeblich der Verkehrssicherheit dient. In einem fundierten Artikel im interessantesten Teil der FAZ („Technik und Motor“, jeweils dienstags) weist Hans W. Mayer nach, dass diese Hoffnung trügt („Das Licht am Auto gibt es nicht zum Nulltarif“, FAZ v. 31.1.2006). So stieg in Norwegen nach Einführung der Tagfahrlichtpflicht 1985 drei Jahre lang die Zahl der Verkehrstoten bei Tageslicht, während sie in dieser Zeit im dunklen Deutschland sank. Auch Langzeitstatistiken lassen keine Vorteile des Tagfahrlichts erkennen. Überraschend hoch dagegen sind seine volkswirtschaftlichen Kosten. Die zusätzliche Generatorleistung für ein permanentes Fahren mit Licht würde allein an Treibstoffkosten (1,15 Euro je Liter) einen Mehraufwand von jährlich 1,36 Milliarden Euro verursachen. Hinzu kommen Verschleißkosten. Autoglühlampen müssten fünfmal häufiger ausgewechselt werden, eine Arbeit, die bei vielen Modellen nur mehr in der Werkstatt ausgeführt werden kann. Auch die Batteriehersteller könnten sich über kräftige Umsatzsteigerungen freuen. Zusammengerechnet dürfte das Tagfahrlicht rund 2 Milliarden Euro jährlich kosten. Wäre es da nicht sinnvoller, diese Summe in die Entwicklung und den Ausbau eines Verkehrsleitsystems zu stecken, das nicht nur ungünstige Lichtverhältnisse, sondern auch sehr viel schwerer wiegende Fahrfehler korrigiert?

Doch in einer ebenso angstbesessenen wie perspektivlosen Gesellschaft haben Zukunftsvisionen keine Chance. Das Tagfahrlicht dagegen, so sinnlos es auch sein mag, leuchtet als sofort verfügbares Hilfsmittel irgendwie ein. Wie jede Reparatur eines veralteten Systems ist es zwar teuer. Da aber bei jedem Tankstellenstop und Werkstattbesuch abgerechnet wird und so die Reparaturkosten scheinbar zu Betriebskosten werden, scheinen sie billiger als eine sich erst nach 10 Jahren rentierende Zukunftsinvestition. Aber im elften Jahr wird vielleicht auch der geizigste Bürger merken, dass er sich wieder einmal wie ein Milchmädchen verrechnet hat.

Nicht verrechnen sich jedoch die Staatsverwalter. Von den geschätzten zwei Milliarden Mehrkosten für das Tagfahrlicht fließen weit über eine Milliarde als Steuereinnahmen in den Staatshaushalt. Zum Löcherstopfen kommen die doch wie gerufen.

pawek@web.de © 2006 Karl Pawek a

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