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Vorsicht

02.03.07 Während die Anti-Raucher-Kampagne ihren Höhepunkt bald erreicht und ihren Verdummungs- und Abrichtungszweck erfüllt haben wird (s. „Rauchfrei“, „Tyrannei“, „Anti-Raucher-Hysterie“ sowie „Geschichte des Rauchens“), soll nun eine bevorstehende Klimakatastrophe auch Nichtraucher gefügig machen und von dringenderen Problemen ablenken. Laut BILD vom 23.2.2007 bleiben uns „nur noch 13 Jahre, um die Erde zu retten“. Dann nämlich drohen Verhältnisse, die in der Klimaforschung bisher als „mittelalterliches Klimaoptimum“, also als beste  Wetterverhältnisse beschrieben wurden. Damals, vor rund 1000 Jahren, wuchsen in Nordeuropa Olivenbäume und auf Grönland grünte es so sehr, dass die Insel ihren Namen „Grünes Land“ erhielt.

Die Geschichte der Erde ist auch eine Geschichte der Klimaschwankungen. Manche wurden von Menschen verstärkt oder vermindert vor allem durch Bevölkerungsdichte, Landwirtschaft und Viehzucht, meistens jedoch waren geologische oder kosmische Ereignisse verantwortlich. Inseln tauchten auf und verschwanden, Gärten wurden zu Wüsten und wieder zu Gärten, auf schreckliche Eiszeiten folgten kulturstiftende Wärmeperioden. Was es jedoch bei allem Wechsel nie gab, waren die Spießer.

Erst in jüngster Zeit entstand in Europa eine Art Mensch, die will, dass alles so bleibt, wie es ist. Ebenso dumm wie sich maßlos überschätzend glaubt diese Spezies, mit ihren im kosmischen Vergleich winzigen Kräften je nach Gemütslage die Erde mit Atombomben zerstören oder durch Emissionssteuern retten zu können. In lächerlicher Anmaßung will sie die Natur bewahren und kosmischen Kräften trotzen und damit das Grundprinzip der Materie, die Veränderung durch Bewegung, stoppen. Weil der Spießer seinen Arsch aus dem heimeligen Sofa nicht mehr hochkriegt, soll auch der Kosmos, die Materie träge, am liebsten statisch werden. Und weil dem Spießer außer Konservierung und Gesinnungsterror nichts einfällt, propagiert er das Sparen. Durch Sparen hofft er, die gefährliche Umwelt besänftigen, die barbarischen Wirtschaftsverhältnisse überdauern zu können. So wird er sich erst ins Elend, schließlich zu Tode sparen und hoffentlich bald aussterben.

Dabei gibt es Alternativen zum Sparen, dieser Spießerantwort auf die ihm unerträgliche verschwenderische Großzügigkeit der Natur. Seit Jahrzehnten sind (allerdings noch sehr energieaufwändige) Verfahren bekannt, die natürliche Fotosynthese, also die Bildung organischer Substanz aus Kohlendioxyd und Wasser, technisch zu leisten. Wenn die Menschen also partout die Entstehung der nächsten Eiszeit, die unausweichlich kommt, beschleunigen wollen, könnten sie nach Methoden suchen, den Kohlendioxydabbau mit vertretbarem Energieaufwand zu bewerkstelligen. Freilich ist es ökonomisch sehr viel interessanter, den Menschen teurere Autos, teurere Glühlampen und die auf Dauer teureren Atomkraftwerke zu verkaufen, statt ein paar Wissenschaftler das Problem des Kohlendioxydabbaus mit einfachen, kostengünstigeren Mitteln lösen zu lassen. Vor allem aber taugt Vernunft nicht dazu, Angst zu erzeugen. Angst aber ist bisher in allen Religionen das wirksamste Mittel gewesen, die Menschen in Abhängigkeit zu halten und so die für wenige Herrschende sehr profitable Hilflosigkeit, Lähmung der Massen zu gewährleisten. Wo Religionen, wie in Europa es der Fall zu sein scheint, an Bedeutung verlieren, übernimmt die Wissenschaft die Rolle des großen Disziplinierers. An Stelle der gekauften Pfaffen treten, wie schon Brecht erkannte, gekaufte Zwerge, die Wissenschaftler genannt werden. Und käufliche Journalisten helfen tatkräftig mit, den täglichen Wahnsinn als zwar nicht mehr gott-, dafür aber naturgewollte Notwendigkeit zu verbreiten.

pawek@web.de © 2007 Karl Pawek a

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