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Vorsicht
03.11.00 Am 23. Dezember 1945 schloss in Peking der Priester und Paläontologe Teilhard de Chardin seinen Aufsatz über „Die Menschliche Planetisation“:
„Eine totale und vielleicht endgültige Spaltung der Menschheit nicht mehr auf der Ebene des Reichtums, sondern im Glauben an den Fortschritt, dies ist also das große Phänomen, das wir erleben.
So betrachtet, hat sich der alte marxistische Gegensatz zwischen dem Arbeiter und dem Ausbeuter überlebt – zumindest war er nur eine schlecht angesetzte Abgrenzung. Denn letzten Endes strebt nicht eine Gesellschaftsklasse, sondern ein Geist – der Geist der Bewegung – dahin, die heutige Menschheit in zwei Lager zu spalten. Hier jene, die die aufzubauende Welt als eine bequeme Wohnung ansehen; und dort die andern, die sie sich nur als eine Fortschrittsmaschine oder, besser, als einen in Fortschritt begriffenen Organismus vorstellen können. Hier, in seiner Essenz, der Geist der Bourgeoisie; und dort die wahren Arbeiter der Erde, jene, von denen man leicht vorhersagen kann, daß sie – ohne Gewalt oder Haß, sondern durch die reine Wirkung der biologischen Dominanz – morgen das Menschengeschlecht sein werden. Hier der Abfall – dort die Triebkräfte und die Elemente der Planetisation.“
Heute, 55 Jahre später, zeigt sich, dass der Priester geirrt hat in seinem Glauben an die baldige Überwindung des Kapitalismus. Doch die Prognose des Wissenschaftlers erwies sich als zutreffend. Europa wird gelähmt vom Geist der Bourgeoisie.
9,64 Milliarden Dollar Jahresumsatz erzielten 1999 die 20 größten Gentechnik-Unternehmen der Welt. Unter den 20 Branchengrößten befindet sich ein Unternehmen aus Kanada (0,29 Mrd. $) und eines aus den Niederlanden (0,144 Mrd. $). Alle 18 anderen Gentechnik-Weltmarktführer sind in den USA angesiedelt.
Während die europäische Bourgeoisie stereotyp kulturelle, vor allem pädagogische Defizite in den USA anprangert, sind die Vereinigten Staaten dabei, nach der elektronischen Revolution die langfristig wohl noch bedeutsamere gentechnische voranzutreiben und sich den größten Anteil an ihrem noch unermesslichen ökonomischen Ertrag zu sichern. Europa dagegen ist müde geworden, wiegt sich, begleitet von kulturellen, öfters nur noch spießigen Tagträumen, in einen langen Schlaf. Ciao und ruhe sanft.

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek a


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