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Vorsicht
04.02.04 Als die angloamerikanischen Luftangriffe auf den Irak auch Zivilisten töteten, war die Empörung unter den Kriegsgegnern groß und dies zu Recht. Auch als Befürworter des Irakkrieges beklage ich fast jeden Toten, denn der Tod raubt dem Menschen seine Zukunft, seine Chancen und Möglichkeiten. So unvermeidbar es auch in manchen Situationen sein mag zu töten, kann das Töten doch nur erklärt, nie gerechtfertigt werden.
Aber eigentümlich ist es schon, dass die Gutesten unter uns das Töten mal als Verbrechen, mal als Schicksal ansehen. Mehr Zivilisten als bei amerikanischen oder israelischen Angriffen kommen in Arabien bei der Hadsch, der jährlichen Wallfahrt nach Mekka ums Leben, werden totgetrampelt, zerdrückt, verbrannt. In den letzten 17 Jahren kosteten allein die Abschlusszeremonien mindestens 2619 Menschen das Leben. Getrieben von religiösem Wahn, verlassen von Sinnen und Verstand, verhalten sich diese Wallfahrer brutaler noch als vollgedröhnte Pogotänzer. Sie gehen nicht nur sprichwörtlich über Leichen. Während aber die Gutesten unter uns wiederum völlig zu Recht den schrecklichen Begriff Kollateralschaden im Zusammenhang mit US-Angriffen verhöhnen, scheinen sie die Hadsch-Toten als Kollateralschaden der Religiosität schicksalsergeben hinzunehmen. Keiner beklagt oder verspottet den gepredigten Wahnsinn, den Teufel in Gestalt von Säulen zu steinigen, als verstünde sich dieser Gewaltakt von selbst, als besäße er eine nicht hinterfragbare Legitimität.
Selbstverständlich kann man die US-Politik ideologisch nennen, weil jede Politik ideologisch ist, aber auch der Islam, das Christentum, der Buddhismus sind nur Ideologien. Da aber die Gutesten unter uns in ihrem tiefsten Herzen (wo denn sonst) selbst religiös sind und keine Katze einer anderen die Augen auskratzt, gelten ihnen alle Formen des Glaubenswahns als ehrwürdig, obwohl sie doch nur Massenhysterie sind.
Statt von Menschenrechten a la mode zu schwätzen, sollten sie, wollen sie jemals ernst genommen werden, die wahren Menschenrechte einfordern. Nach dem Recht auf Leben und Unversehrtheit scheint mir das Recht auf ein Leben frei von ideologischen Zwängen, Verformungen, Vergewaltigungen das wichtigste Menschenrecht. Das bedeutet nicht, dass Besessene nicht unter sich in Mekka oder Fulda treiben können, was sie wollen. Aber wäre es nicht angebracht, jede Propaganda ihres Wahns nach außen wie die Verführung, wie den Missbrauch  Minderjähriger, Hilfloser, Kopfkranker zu beurteilen?
Der Krieg gegen den Terrorismus wird scheitern, solange nicht seine fundamentalistischen Wurzeln hier und dort und überall gekappt sind. Aber wahrscheinlich wollen gerade dies die wenigsten der Krieger.


pawek@web.de © 2004 Karl Pawek a

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