- Home
- Magazin
- Archiv
- Galerie
- Links
Vorsicht
05.05.00 Ein aufschlussreiches Beispiel für die zunehmende politische Naivität lieferte ein dpa-Redakteur mit seinem Bericht über neonazistische Aktivitäten in Norddeutschland. Beherzt schilderte er die menschenverachtenden Taten Pinneberger Neonazis, nannte Namen und Treffpunkte und verwies auf eine Kampagne gegen den sich ausbreitenden Neonazismus. Abschließend stellte er fest:

„Einige Pinnerberger Neonazis hätten eine solche Aufklärungskampagne bitter nötig: Sie feierten im Februar den 70. Todestag des Nazi-Idols Horst Wessel ausgerechnet am Mahnmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege in Halstenbek.“
Wer nicht weiß, dass Kriegerdenkmäler, mögen sie auch heute „Mahnmal“ genannt werden, rechte Ideologie nicht anprangern, sondern feiern in ihrer hehrsten Ausprägung, dem Opfertod für das Vaterland, kann auch anderes kaum begreifen, z. B. die Hintergründe des Einmarsches deutscher Truppen in den Kosovo. Der Redakteur (vielleicht war es auch eine Redakteurin) teilt das Schicksal vieler engagierter Menschenrechtler, Pazifisten, Gutmenschen: Ihr wohlwollendes Engagement wird sie nicht davor bewahren, ins Verderben voranzumarschieren.

Ein wenig mehr Neugierde könnte schon helfen. Aus Sigmaringen meldete ebenfalls dpa die Erschießung eines „offenbar unbewaffneten“ Österreichers durch deutsche Polizisten. Der 27jährige sei „wegen illegalen Aufenthaltes“ gesucht worden.
Noch gehört Österreich zur EU. Da würde es mich schon interessieren, unter welchen Umständen sich ein EU-Bürger illegal in einem EU-Land aufhält und wie diese Umstände beschaffen sein müssen, dass sie den tödlichen Schusswaffengebrauch der Ordnungshüter rechtfertigen. Selbstverständlich wäre dies nur eine der vielen Fragen, auf die deutsche Journalisten so selten eine Antwort geben.

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek


- Home
- Magazin
- Archiv
- Galerie
- Links