- Home
- Magazin
- Archiv
- Galerie
- Links
Vorsicht
05.11.01 Suchen Sie das besondere Geschenk für einen Natur-, gar Vogelschützer? Vielleicht finden Sie in einem Antiquariat den Jahrgang 1942 der Annalen des Naturhistorischen Museums Wien. Er enthält u. a. einen Aufsatz des 1957 in Bonn zum Professor ernannten, 1967 zum Präsidenten der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft gewählten Günther Niethammer mit dem Titel „Beobachtungen über die Vogelwelt von Auschwitz“. Die Studie ist ein kostbares Zeugnis deutscher Kultur. Mitten im Krieg scheut sich ein deutscher Vogelkundler nicht, unwirtliche Gegenden aufzusuchen, um Vögel zu beobachten. Durch nichts lässt er sich in seinem wissenschaftlichen Eifer ablenken, nicht durch die ausgemergelten Gestalten hinter dem KZ-Zaun, nicht durch den Rauch verbrannter Menschen, nicht durch die Schreie Verzweifelter. Als anständiger Deutscher weiß er noch am elendsten Ort der Welt, was sich gehört: Er bedankt er sich beim zuständigen KZ-Kommandanten, SS-Obersturmbannführer Höß, für dessen Verständnis, das er „den Forschungsaufgaben, die der deutsche Osten an die Wissenschaft stellt, stets entgegenbrachte“.
Niethammers Studie offenbart deutsches Denken und Fühlen in einer Klarheit, wie sie kein Schriftsteller, nicht einmal Karl Kraus, erreichte. Einem Tierschützer aber, dem dabei kein Licht aufgeht, der angesichts des menschlichen Elends in der Welt weiter seiner Tierliebe frönt, gehört der Band so lange um die Ohren gehauen, bis er (oder sie) sich eines Besseren besinnt. 
Falls Sie jedoch das Original nirgends auftreiben können, bietet sich eine Neuerscheinung an, in der Ernst Klee nicht nur die Geschichte Günther Niethammers erzählt: Deutsche Medizin im Dritten Reich. Das Buch erschien im S. Fischer Verlag und ist mehr wert als die DM 49.87, die es kostet.
pawek@web.de © 2001 Karl Pawek a

- Home
- Magazin
- Archiv
- Galerie
- Links