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Vorsicht
06. 01. 01 Es ist widerwärtig. Erst führt Deutschland einen Krieg gegen Jugoslawien, und nun jammert die ganze Nation, dass vielleicht auch einige unserer tapferen Krieger durch uranhaltige Munition verstrahlt sein könnten. Es war doch nicht der erste Krieg mit deutscher Beteiligung, und man muss wahrlich nicht Geschichte studiert haben, um zu wissen, dass jeder Krieg elendig ist und Tod und Verderben bringt auch für den Angreifer. Während aber ein Castor-Behälter vor der Haustüre rechtschaffene Bürger in den gewaltsamen Widerstand treibt, hat die schon in den Tagen des Jugoslawien-Krieges bekannte Tatsache, dass die Nato auch Urankern-Munition einsetzt, Deutsche kaum empört. Zu perfekt hat die Gehirnwäsche, die Mär vom sauberen, punktgenauen, schonenden Krieg gewirkt. So brutal es auch klingen mag: Unter diesen Umständen wäre eine möglichst hohe Zahl deutscher Kriegsversehrter wünschenswert, weil offenbar nur grausame Erfahrungen die mediale Verharmlosung von Kriegen überwinden, die Menschen eines Besseren belehren können.
Doch selbst diese Hoffnung scheint vergeblich. Denn widerwärtiger noch als das Jammern der sich unschuldig dünkenden Mittäter ist ihre Verrohung. Tagelang war in fast allen Medien nur von einer möglichen Gefährdung unserer freiwillig ihren Job verrichtenden Soldaten die Rede. Die durch sie von was und wem auch immer „befreiten“ Menschen vor Ort dagegen scheinen keiner Sorge wert. Dies ist genau die Haltung, die auch die Verbrechen der Wehrmacht, jeder Armee möglich machte und macht. Ihre Gegner, deren Gegnerschaft zumeist nur darin besteht, in einem umkämpften Landstich zu wohnen, sind minderwertigere Menschen als die eigenen Kriegerinnen und Krieger. Es ist wirklich nur die Gnade der späten Geburt, die Deutschlands Nachwuchs lange davor bewahrte, sich zum Neofaschismus auch zu bekennen.

pawek@web.de © 2001 Karl Pawek a


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