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Vorsicht
07. 01. 01 Wer z. B. vor der Roten Flora in Hamburg einen Polizisten schubst, wird von den Medien mit Foto und Namensnennung als Gewalttäter denunziert und, wenn er zusätzliches Pech hat, schillernder Richterwillkür ausgeliefert.
Joschka Fischer hat nicht nur geschubst und wurde festgenommen. Das ist keine Schande, genauso wenig wie seine schnelle Entlassung: Auch Straßenkämpfer sind sich selbst am nächsten. Fischer blieb ein ehrgeiziger Egozentriker, wechselte nur die Arena, brachte es zum Außenminister der Bundesrepublik Deutschland und half mit, die Nation wieder kriegstauglich zu machen. Auch das ist wenig aufregend, weil so ungewöhnlich nicht.
Wirklich Bemerkenswert aber ist der Umgang der Medien mit Herrn Fischer. Sogar das Handelsblatt, für gewöhnlich radikal gegenüber linken Radikalen, spricht Fischer (wie Herbert Wehner, Adolf Heusinger und Helmut Kohl) das Recht auf Irrtum zu.
Dieses Recht auf Irrtum ist offensichtlich teilbar, denn zahlreichen Mitkämpfern Fischers wird es verwehrt. Sie bleiben als Terroristen gebrandmarkt, verfolgt, in Haft. Fischer dagegen hat es geschafft, in den Kreis der fast Herrschenden aufgenommen, von ihnen adoptiert zu werden. So wurde aus dem kleinbürgerlichen Terroristen rückwirkend ein junger Mann aus bestem Haus, dessen Verfehlungen, wie in solchen Kreisen üblich, schmunzelnd als Jugendsünde entschuldigt wird.
Sie haben es wirklich weit gebracht, Herr Fischer. Mit Ihnen möchte ich nicht tauschen.

pawek@web.de © 2001 Karl Pawek a


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