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Vorsicht

07.05.07 Filmliebhaber sollten beizeiten damit beginnen, einige der schönsten Werke der Filmgeschichte auf DVDs zu archivieren. Denn äußerst ungewiss ist, ob ein Trinker- und Raucherfilm wie „Ein Affe im Winter“ in ein paar Jahren noch gezeigt oder verkauft werden darf.

Obwohl Regisseur Henri Verneuil die Geschichte zweier Männer, die das Träumen brauchen zum Überleben, für sein gelungenstes Werk hielt, wurde der Film aus dem Jahre 1962 in Deutschland nur sehr selten gezeigt (zuletzt in arte, wo denn sonst, am 26.4.2007), feiert er doch die Freuden des Rausches. Der alte Hotelbesitzer Albert (Jean Gabin) säuft, um sich mit Hilfe des Alkohols in seine Abenteuer als Soldat in China zurückzuversetzen, der junge Werbetexter Gabriel (Jean-Paul Belmondo) wird im Suff zum Torero, auch wenn in dem Kaff Tigreville Autos den Stier ersetzen müssen. Zusammen mit dem Besitzer des Kramladens „Pariser Chic“ zünden sie ein grandioses Feuerwerk, das ein amerikanischer Millionär 1929 für seine Geliebte bestellt, doch wegen des für ihn tödlichen Börsenkrachs nicht mehr gebraucht hat. Für ein paar Minuten erwecken Böller, Funkenregen und das Lachen der drei Männer das trostlose Nest am Ärmelkanal zum Leben.

Ist schon die Darstellung von Menschen, die nur besoffen glücklich sie selbst sein können, eine Provokation, schockiert der Film auch noch mit einer Raucherszene. Auf der Heimfahrt nach Paris raucht Gabriel nicht nur im Zugabteil, sondern lässt auch noch zu, dass ihm seine neunjährige Tochter, die er zusammen mit Albert aus einem Internat befreit hat, Feuer gibt. Weder die beiden Männer noch das Kind scheinen jemals von den Gefahren des Passivrauchens gehört zu haben.

Als ich noch sehr jung war, konnte mich Sissy (Romy Schneider) zu Tränen rühren. Nach einem langen schönen Leben berührt es mich, mit welcher Grazie damals ein junges Mädchen seinem Vater die Zigarette anzündete. Wer nun meint, ich sei ein alter Narr, halte den Mund. Denn nicht so sehr die Freuden des Rausches oder des Rauchens während langer Zugfahrten vermisse ich. Traurig und wütend macht mich die Haltung jener, die mir und ein paar anderen ihr mentales Elend als Gesundheitsgebote getarnt aufzwingen wollen. Dazu bedienen sie sich schon heute der Zensur und werden nicht davor zurückschrecken, Kunst und Literatur und Film nach ihren krankhaften Wahnvorstellungen zu säubern.

Viele der Öko-, Umwelt-, Gesundheits- und Wellnesspropagandisten behaupten von sich, Antifaschisten zu sein und merken nicht, dass sie, wie einst ihre Großeltern den Nazis, einem Ökofaschismus den Weg bereiten.  

pawek@web.de © 2007 Karl Pawek a

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