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Vorsicht
08.01.2000 Während hierzulande das um den Hals, auf Busen oder Bauch getragene Modell einer Vorrichtung für die Vollstreckung der Todesstrafe ein akzeptables, oftmals erwünschtes Accessoire darstellt, erregt die Kopfbedeckung muslimischer Frauen immer wieder Eltern und Behörden. So weigerte sich das Oberschulamt Stuttgart 1998, eine Lehrerin mit Kopfbedeckung zum Schuldienst zuzulassen, und eine Referendarin in Hamburg, die auch als Lehrerin ihr Haar verhüllen wollte, versetzte 1999 die Hamburger Schulbehörde in helle Aufregung: Eine deutsche Lehrerin, verlangen viele Eltern und daher auch Politiker, darf im Unterricht nicht durch ein Kopftuch ihre Andersgläubigkeit offenbaren.

Nun aber bestimmte das Verwaltungsgericht Ansbach (Az.: AN 18 S 99.05203), dass deutsche Behörden Frauen sogar zwingen dürfen, ein Kopftuch zu tragen und sich damit fotografieren zu lassen. Zwei Iranerinnen, die abgeschoben werden sollen, bekamen nämlich von der iranischen Botschaft keinen Pass ausgestellt, weil sie sich auf dem verlangten Passfoto nicht mit Kopftuch abbilden lassen wollten. Da die Ausländerbehörde politisch korrekt für die Abschiebung die Vorlage eines Passes verlangt, die Iranerinnen sich aber auf die Freiheit der Religionsausübung als Freiheit, keiner Religion anzugehören, beriefen, war guter Rat dringend. Ihn lieferte nun das Gericht mit der Begründung, ein Kopftuchzwang habe gar nicht mit Religion zu tun, sondern sei ein rein kulturelles Phänomen und daher von deutschen Behörden zu respektieren.

Wo aber Recht gesprochen wird nach Bedarf, entpuppt sich der Rechtsstaat als so unglaubwürdig, wie er ist.

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek


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