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Vorsicht
08.12.00 Gegen Ende des 20. Jahrhunderts drohte eine Klimakatastrophe. Vor allem die Menschen in den mitteleuropäischen und nordamerikanischen Villenvororten fühlten sich betroffen und sandten ihre Kinder aus, die Gefahr abzuwehren. Die klügsten Sprösslinge gingen in die Forschung und fanden bald, was sie suchten: Treib- und Abgase zerstören die Ozonschicht der Erde und führen zu einer gefährlichen Erderwärmung. Zwar gab es auch ungeratenen Nachwuchs, der darauf verwies, dass extremere Klimaveränderungen als die bevorstehende in der Erdgeschichte häufig vorkamen, lange bevor der Mensch die Sprühdose und das Automobil erfunden hat, doch waren diese vorlauten Rationalisten nicht sehr zahlreich und durch Karrieredruck schnell zum Schweigen zu bringen. Die Mehrheit des Nachwuchses engagierte sich im Kampf gegen die Klimagefährdung, hunderte von Konferenzen wurden organisiert, tausende Demonstrationen. Ausgestattet mit großzügigen Spendengeldern jetteten die Oberumweltschützer fast ununterbrochen von Konferenzort zu Konferenzort und scheuten sich auch nicht, den Ureinwohnern der abgelegensten Landstriche persönlich ihre Solidarität zu übermitteln und sie dabei gleich ein wenig umzuerziehen, z. B. in der Anwendung der seit Jahrtausenden von Menschen und noch sehr viel länger von der Natur betriebenen Brandrodung.

Mit finanziellen Mitteln, die weitaus größer waren als jene, die für die Welthungerhilfe zur Verfügung standen, konnten das FCKW aus Dosen und Kühlschränken verbannt und strenge Abgasnormen durchgesetzt werden. Sogar bei den unsere Autos antreibenden Verbrennungsmotoren steht die Menschheit vor einem Durchbruch zum Besseren. Bald schon soll Wasserstoff das Benzin ersetzen. Aus den Auspuffen unserer Autos wird dann nicht mehr ein übles Gasgemisch, sondern reiner Wasserdampf strömen. Die Rettung der Menschheit vor sich selbst steht bevor.

Da ist es nur gerechtfertigt, wenn unsere Medien, die bekanntlich keine Zensur brauchen, weil sie selbst zensierend wirken, folgende unverschämte Behauptung des Geologen Jan Veizer (Ruhr-Universität Bochum) zwar veröffentlichen, aber in der Rubrik Vermischtes zwischen dem Streit um Gildos Erbe und der Vergewaltigung eines Achtjährigen verstecken: In „Nature“ (Bd. 408, S. 698) berichtet der Wissenschaftler, dass in den Kaltzeiten vor 440 und vor 220 Millionen Jahren die Temperaturen auf der Erde trotz hoher CO2-Werte sehr niedrig gewesen seien. Dies ist zwar längst bekannt, unerhört aber sind seine Schlüsse. Ein CO2-Anstieg könnte nicht Ursache, sondern eher die Folge einer Erwärmung sein. Ursächlicher für den Treibhauseffekt sei möglicherweise Wasserdampf, der die Fähigkeit von Pflanzen begrenze, CO2 aufzunehmen.

Bald werden wir Veizers These verifizieren können, wenn Millionen Autos dampfend durch die Gegend fahren. Für die Jungs und Mädels aus den Villenvororten aber bedeutet dies, dass auch künftig viel zu tun bleibt, ihr Leben einen Sinn behält. Ihre Eltern Aktionäre und Wirtschaftsführer können gewiss weiterhin stolz auf sie sein, denn nichts fördert Umsätze mehr als der Umweltschutz mit seiner anmaßenden Symptomkuriererei durch Halbgebildete, deren Scheinproblemlösungen nur neue Probleme erzeugen. Dass die Folgen dieses Umweltengagements sich noch als gemeingefährlich herausstellen werden, braucht das Kapital nicht zu stören, denn der Profit wird auch künftig jeden Irrtum rechtfertigen.

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek a


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