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Vorsicht

08.12.05 Seit dem 1. Dezember 2005 stellt die Weltgesundheitsorganisation in Genf keine Raucherinnen und Raucher mehr ein. Wer bei der Bewerbung angibt, auch künftig eventuell im eigenen Auto oder zu Hause rauchen zu wollen, wird von der Kandidatenliste gestrichen.

Man kann dies lustig finden. Spötter mit Lebenserfahrung vermuten, dass die Antiraucheraktivisten der WHO diesen Triumph mit Champagner, vielleicht auch mit ein paar Lines gefeiert haben. Freuen können sich auch die Zuckermäulchen und Fetten unter den Bewerbern, mindert doch der Einstellungsstop für Raucher die Konkurrenz um die rund 2400 Arbeitsplätze.

Resignierte tragen die Nachricht mit Fassung, sind sie doch solche Restriktionen von amerikanischen Unternehmen gewohnt.

Mich aber macht der Einstellungsstop zornig. Die WHO ist kein Privatunternehmen, das der Besitzerwillkür ausgeliefert ist, sondern eine aus Steuergeldern finanzierte Einrichtung. Sie kann zum vermeintlichen Schutz ihrer nicht rauchenden Arbeitskräfte das Rauchen am Arbeitsplatz verbieten, sie kann rauchenden Angestellten Entwöhnungskuren anbieten (aber nicht, wie es die Deutsche Post versucht, Raucher zu einer Entwöhnungstherapie zwingen). Sie darf aber niemandem vorschreiben, welche Genussmittel oder Drogen er und sie konsumieren dürfen und welche nicht, um einen Arbeitsplatz zu erhalten. Auch wenn sich die Verantwortlichen dieses diskriminierenden Einstellungsstops für Gutmenschen halten mögen, sind sie Gesinnungsterroristen, deren Fundamentalismus Orwells Visionen in den Schatten stellt. Allerdings bin ich mir sicher, dass kaum ein Orwell-Leser dies bemerkt.

Wie verlogen die WHO-Aktion ist, zeigt deren juristische Grundlage. Auch nach Schweizer Recht darf niemand, der das Rauchen beim Einstellungsgespräch verheimlicht hat, deswegen als Mitarbeiter entlassen werden. Aber Fundamentalisten geht es nie um ein konkretes oder vermeintliches Problem, sondern immer ums Prinzip. Auch im Heiligen Krieg gegen Raucher sind alle Mittel recht.

pawek@web.de © 2005 Karl Pawek a

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