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Vorsicht
11.09.01 Wer auch immer den Terrorangriff auf die USA veranlasst und ausgeführt hat, die Motive dieser Verbrecher waren religiös. Nicht der zivilisierten Welt haben die Täter den Krieg erklärt, sondern den Andersgläubigen. BILD bewies einmal mehr ein gutes Gespür, wenn es in seiner Schlagzeile Gott um Hilfe anrief, unseren Gott, versteht sich.
Die Ereignisse des 11. September 2001 sind in all ihrer scheußlichen Brutalität nur ein Vorgeschmack dessen, was uns bevorsteht. Wir werden, fürchte ich, im Kampf der Götter auf der Verliererseite stehen.
Zu lange haben wir uns in religiöser Toleranz geübt, statt Religionen auch bei uns als frühmenschlichen, vorwissenschaftlichen Wahn, als lächerlichen, aber ungemein gefährlichen Irrtum erkennbar zu machen. Gläubige welchen Wahns auch immer galten uns nicht als psychisch Kranke, die selbstverständlich der Hilfe, des Schutzes bedürfen, wir erklärten vielmehr den Wahn zum unverletzlichen Recht jedes Einzelnen. Noch der aufgeklärteste Demokrat scheute sich, im Gläubigen den Verführten zu sehen. 
Jahrhunderte lang hatte der Westen die Möglichkeit, mit seiner ökonomischen, militärischen und technologischen Macht, vor allem aber mit den Mitteln der Aufklärung die Wahnsinnigen zu isolieren, zu bestechen, vielleicht sogar zu emanzipieren. Doch das Gegenteil war der Fall. Frömmelnd im eigenen Land haben die westlichen Industriestaaten jene als gottlos beschimpft, die auf ihren Territorien unvollkommen genug Religiosität zu überwinden trachteten, und blind jene unterstützt, die jüngst noch in Afghanistan, Tschetschenien und überall sonst auf der Welt unseren politischen Gegner, der ein zivilisatorischer Verbündeter hätte sein können, schaden wollten. 
Nun stehen wir Schwachgläubigen irgendwelchen Rechtgläubigen gegenüber. Und da Gott nur jenen Kraft gibt, die den Unsinn wirklich glauben, weil nur der Wahn, nicht Religionsfreiheit Berge versetzen kann, steht es nicht gut um unsere Chancen, ohne Kniefall vor Allah oder irgend einem anderen Gespenst weiterleben zu dürfen. Wie einst die Opfer fanatischer Christen erleben wir nun selbst, wozu Glaube fähig ist. Dass es als erste Israel und die USA trifft, ist tragisch, aber nicht verwunderlich. Ihr Fundamentalismus, und sei er vergleichsweise noch so zivilisiert, liefert Gotteskriegern die Rechtfertigung für jede Barbarei.

pawek@web.de © 2001 Karl Pawek a


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