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Vorsicht
13.01.03 In der Einleitung zur „Geschichte der Sexualitaet“ habe ich unseren Umgang mit Nase, Vagina und Penis verglichen. Gemeinsam ist diesen drei Körperöffnungen, dass sie gelegentlich tropfen, sich leicht entzünden, überhaupt recht empfindlich sind. Doch nur unsere Nase dürfen wir öffentlich zeigen, Vagina und Penis müssen unter Strafandrohung verborgen bleiben. Was, fragte ich, ist an ihnen so schrecklich, dass ihr Anblick vor allem bei Staatsanwälten und Kleingläubigen Empörung hervorrufen kann? Zwei briefmarkengroße, absolut keusche Abbildungen unserer Geschlechtsorgane sollten ihre natürliche Form dokumentieren.
Nun muss man die „Geschichte der Sexualitaet“ im Internet schon suchen, um auf sie zu stoßen. Kein Werbebanner, keine bezahlte Topplatzierung bei Suchmaschinen, keine Anmeldung der Abbildungen macht auf sie aufmerksam. Stößt trotzdem jemand auf sie, warnt eine Vorbemerkung, dass einige Abbildungen als pornographisch empfunden werden könnten. Damit wollte ich Menschen, die mental noch im prüden 19. Jahrhundert leben, vor unerwünschter Konfrontation mit Bildern bewahren, die ausnahmslos aus Quellen stammen, die auch Jugendlichen frei zugänglich sind.
Ein Herr in Weinheim freilich scheute keine Mühe und suchte gründlich, was er zwar sehen wollte, doch wohl nicht durfte. Als er auf die Bilder stieß, schlug seine Neugierde schnell in Scham und dann Empörung um. Er stellte Strafanzeige gegen mich wegen Verbreitung pornographischen Schrifttums. Die Polizei, statt dem scheinheiligen Denunzianten eine psychiatrische Betreuung zu empfehlen, eruierte meinen Wohnort und leitete die Anzeige an die Hamburger Staatsanwaltschaft weiter. Hier landete sie bei einer jungen Staatsanwältin, die mit gutem Gespür für den kommenden Zeitgeist und somit gewiss karrierefördernd das Verfahren nicht etwa einstellte, sondern mich zu einer Vernehmung in das Hamburger Polizeipräsidium laden ließ. Der für mich „Pornographen“ zuständigen Beamtin freilich muss ich Hochachtung zollen, sie entsprach so gar nicht meinen Erfahrungen mit blindwütigen PorNoaktivistinnen, besitzt vielmehr Sachkenntnis, Intelligenz und Urteilsvermögen. Allein ihre Forderung, die beiden beanstandeten Fotos von meiner Seite zu entfernen, stürzte mich in einen Konflikt: Zum einen halte ich den Widerstand gegen Zensur für dringend notwendig, zum anderen aber habe ich keine Lust, zusätzlich zur unbezahlten Arbeit an meiner Homepage auch noch Bußgeldzahlungen zu leisten, zumal ein Verfahren wegen seiner Banalität unbemerkt von der Öffentlichkeit ablaufen würde. Also entfernte ich die beiden inkriminierten Fotos aus meiner „Geschichte der Sexualitaet“ und bekenne, dass ich mich dafür schäme.

pawek@web.de © 2003 Karl Pawek a

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