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Vorsicht
13.05.01 Ein interessantes Experiment des Zeitgeistes ereignete sich in der Spätausgabe der Tagesschau am 12. 5. 01. Berichtet wurde über eine friedliche Kurdendemonstration in Deutschland, die Filmbilder zeigten ein zerstörtes, ausgebranntes Auto in Palästina, die Folgen eines israelischen Vergeltungsschlages.
Diese Form der Nachrichtenpräsentation ermöglicht eine Verdoppelung der Scheininformation. Bilder z. B. vom Bürgerkrieg in Angola könnten verbal kombiniert werden mit einem Bericht über Trittins Kampf für das Dosenpfand, Reden im Parlament mit Massenkarambolagen. Die Action-Frequenz würde sich quotenträchtig erhöhen, die Einschaltzahlen vor allem der MTV-Generation steigen, ohne dass der auch bisher schon gegen Null tendierende Erkenntniswert deutscher TV-Nachrichtensendungen noch erkennbar sinken könnte.
Dass es sich bei dieser Tagesschau-Innovation um ein Versehen handelte, darf ausgeschlossen werden, andernfalls hätte man die Ankündigung der zwei noch folgenden Berichte gewiss mit einer entschuldigenden Richtigstellung verbunden. Nicht ganz abwegig allerdings ist die Vermutung, dass die Redakteurinnen und Redakteure die vorangegangene Sendung, den nicht zuletzt Dank des deutschen Sprechers bislang dümmsten, langweiligsten Grand Prix de la Gehopse, nur unter ständiger Alkoholzufuhr ertrugen und das Versehen wie fast alle Zuschauer gar nicht registrierten. Bild und Ton liefen ja wie gewohnt.

pawek@web.de © 2001 Karl Pawek a


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