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Vorsicht
16.11.00 Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt und deutsche Ärzte verkünden, dass Kinder rauchender Mütter bis zu fünfmal häufiger „negative Verhaltensmuster“ zeigen wie übermäßige Impulsivität, Risikobereitschaft, Aufsässigkeit als Kinder von Nichtraucherinnen. Und finnische Wissenschaftler ergänzen den Befund: Söhne von Frauen, die während der Schwangerschaft geraucht haben, erweisen sich häufig als gewalttätig. (Hamburger Abendblatt vom 7. 11. 2000)
Derartige Korrelationen lassen sich selbstverständlich feststellen und könnten sogenannten Wissenschaftlern noch für Jahrzehnte ein Auskommen garantieren z. B. durch den Vergleich der Lebenserwartung von Kindern, deren Mütter rote Socken anziehen, mit Kindern nylonbestrumpfter Damen. Wahrscheinlich verhalten sich auch Kinder jener Frauen, die keinen Büstenhalter tragen, in einigen Bereichen anders als Kinder von Büstenhalterträgerinnen. Und zwischen dem Hundebesitz von Vätern und dem Masturbationsverhalten ihrer Söhne lassen sich gewiss ebenfalls statistisch signifikante Zusammenhänge aufzeigen.
Während aber die Ergebnisse solcher Vergleiche jedem sofort als vielleicht witzig, aber irrelevant erkennbar wären, wird der gleiche Schwachsinn, wenn er nur der herrschenden Sichtweise entspricht, von den Medien auch noch veröffentlicht. Dies ist eine Schande für den Journalismus, vor allem aber eine Schande für unsere Wissenschaft, deren Erkenntnisse häufig und nicht nur bei Raucherfragen gleich aus dem Kaffeesatz hätten gewonnen werden können. Wer meint, dass Nikotin und nicht die Persönlichkeit, Haltung, Lebensweise von Nikotinkonsumentinnen für die soziale und mentale Entwicklung ihrer Kinder von Bedeutung ist, also eine Ausdrucksform für die Ursache hält, ist schlicht dumm. Die begründete Annahme freilich, dass solche ideologisch bedingten Dummheiten nicht nur die Medizin, sondern unseren gesamten Wissenschaftsbetrieb beeinflussen, weckt Zweifel, die einem zur Verzweiflung bringen können.

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek a


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