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Vorsicht
17.12.99 Rund 10 Millionen Menschen hat Nazideutschland zur Arbeit gezwungen unter Bedingungen, die für viele tödlich waren und in jedem Fall ausbeuterisch. Der diesen Menschen abgepresste Mehrwert betrug ein Vielfaches der Summe von 10 Milliarden DM, die nun nach langem und heftigem Widerstand deutscher Unternehmer und Politiker an die 1,2 bis 1,5 Millionen Überlebenden verteilt werden soll.

5 Milliarden DM müssen die Bundesbürger direkt bezahlen, 5 Milliarden wollen (bislang) 70 der 257 Unternehmen aufbringen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben. Angeblich liegt diese durch Steuervorteile wiederum zu Lasten der Nicht-Anteilseigner um ca. 40% reduzierte Summe an der äußersten Schmerzgrenze und beträgt doch nicht einmal zwei Drittel des Gewinns, den z. B. die drei Farben-Nachfolger BASF, Bayer und Hoechst allein für 1999 ausweisen werden.

Das Feilschen der deutschen Unternehmen um die Höhe der Entschädigungsleistung ist schäbig. Schäbiger nur noch sind die Motive, überhaupt etwas zu zahlen. Denn nicht Verantwortung oder gar Schuldbewusstsein treibt deutsche Unternehmer zum Griff in die Kasse, wie Graf Lambsdorff in gutsherrlicher Offenheit mitteilte. Nein, die Einigung auf 10 Milliarden Mark sei notwendig gewesen, um Schaden für das deutsche Ansehen in der Welt abzuwenden. „Außerdem geht es auch um deutsche Arbeitsplätze, die vom Export abhängen.“

Wer aber rechtsradikalen Terror wie historische Schuld nur aus Angst um sein Ansehen beklagt, wird, sobald ihm das Ansehen auf Grund verflossener Zeit und wiedergewonnener Macht gleichgültig ist, wieder die alte Fratze zeigen. Deutschland kann zahlen, so viel es will. Nicht die Höhe der Summen, sondern die Art, wie es seine Vergangenheit bewältigt, lässt erkennen, wes Geistes Kind die Deutschen geblieben sind. 

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek


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