- Home
- Magazin
- Archiv
- Galerie
- Links
Vorsicht
18.08.00 Für mich gehörte das Dosenpfand zu den mysteriösesten Anordnungen unserer rot-grün genannten Bundesregierung. Dass es ökonomisch ein Unsinn, ökologisch zumindest fragwürdig (weil energieverschwendend) ist, konnte jeder wissen, der seine Informationen nicht nur von den deutschen Verlautbarungsmedien bezieht. Vielleicht, dachte ich mir, habe ich Trittin und Konsorten unterschätzt auf ihrem Weg durch die Institutionen. Vielleicht sind Dosenpfand und Windräder nichts anderes als die zeitgeistig schlauen Umsetzungen klassischer MLer- und Maoistenforderungen, den kapitalistischen Staat zu schaden, wo immer es möglich ist. Schließlich gibt es kaum einen Obergrünen, der sein politisches Handwerk nicht bei pseudolinken Revoluzzern gelernt hätte. Andererseits bedarf ein unanpasslerischer Marsch durch die Institutionen einer Charakterstärke, wie ich sie diesen Damen und Herren Obergrünen nicht zutraue.
Nun endlich hat das Rätseln dank einer WDR-Untersuchung ein Ende. Bis Oktober, so ließ der Sender recherchieren, werden rund 450 Millionen Euro an Pfandgeldern nicht eingelöst, eineinhalb Milliarden Dosen und Einwegflaschen wie schon bisher als Müll entsorgt werden. Da nichtzurückgezahlte Pfandgelder mehrwertsteuerpflichtig sind, erhält der Bund in nur zehn Monaten rund 75 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen. Also macht das Dosenpfand doch Sinn. Und wie Schuppen fällt es von den Augen: Analoges gilt selbstverständlich auch für den sehr teuren Windkraftstrom. Je höher die Kosten, desto größer sind auch die Mehrwertsteuereinnahmen.
Bei den Obergrünen aber muss ich Abbitte leisten. Der Verdacht pseudorevolutionärer Umtriebe erweist sich als absurd. Trittin und Konsorten machen sich um diesen Staat verdient – wie üblich auf Volkes Kosten.

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek


- Home
- Magazin
- Archiv
- Galerie
- Links