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Vorsicht
18.09.01 Hilflosigkeit kennzeichnet die Versuche, zwischen Gläubigen und religiösen Fanatikern zu unterscheiden. Der Vorschlag, extremistische Glaubensvereinigungen zu verbieten, wird das Problem des weltanschaulichen Terrorismus nicht lösen, ist im Übrigen auch scheinheilig. Denn was soll mit jenen christlichen Gruppierungen geschehen, die wie Opus Dei nicht verfassungskonform sind? Ihr Verbot wäre revolutionär, würde die politische Kaste Europas treffen und ist daher zur Zeit undenkbar.
Die Unterscheidung zwischen guten und bösen Gläubigen lenkt nur von dem grundsätzlichen Problem ab. Gewiss kann man den Islam jenen, die ihn nicht kennen, als tolerante Religion darstellen. An entsprechenden Zitaten herrscht kein Mangel. Man kann sich allerdings auch der Mühe unterziehen, ihn zu studieren. Wer sich dies nicht zumuten will, kann sehr viel schneller und einfacher zu einer ebenso fundierten Einschätzung kommen. Es genügt, die Rolle der Frau zum Maßstab zu wählen.
Der Umgang mit Frauen im Islam darf nicht als folkloristische Eigenart missverstanden werden, dafür ist er zu anmaßend, reaktionär, unmenschlich. Die Stellung der Frau heute in den islamischen Ländern ist noch tiefer, als dies in Europa im Mittelalter der Fall war. Und diese Brutalität ist keine Randerscheinung im Islam. Denn die verabscheuungswürdige Unterdrückung beschränkt sich nicht auf Frauen, sie trifft auch den Ketzer, den Zweifler, sie ist dem Islam eigentümlich.
Aber abgesehen von der Ungleichzeitigkeit unterscheidet sich das islamische Verbrechenspotential nicht vom christlichen. Es waren nicht Verrückte oder Perverse, die im Namen Christi Millionen Menschen folterten, massakrierten, verbrannten, sondern gläubige Katholiken. Ihre Religion, die unter den gegenwärtigen Bedingungen Frieden predigt, schürte unter anderen Bedingungen Hass. Der zugrunde liegende Glaube aber ist derselbe.
Natürlich fällt es schwer, Religionen an sich und nicht nur ihre zeitgeistigen Ausprägungen als Wurzel des Übels zu erkennen. Mühsam haben wir die Toleranz gelernt, die notwendig war, um Europa zumindest religiös zu befrieden. Auch glauben immer noch viele unter uns an Götter und Gespenster. Manche Aufgeklärtere behaupten sogar, der Mensch brauche seinen Glauben und dessen Rituale, um nicht zu verzweifeln. Als ehemaliger begeisterter Ministrant und gläubiger Katholik kann ich versichern, dass es sich ohne Glauben nicht erbärmlicher lebt. Wir Menschen bedürfen nicht Gottes Schutz, sondern der Überwindung der Angst. Nur sie ist es, die nach einem Glauben giert.
Trotzdem begegnen auch Atheisten Gläubigen mit fast ehrfurchtsvoller Zurückhaltung, mit Respekt, statt in ihnen die Träger einer Macke zu sehen, wie sie in der einen oder anderen Form jeder Mensch besitzt. Ob jemand an seine Auferstehung oder an sechs Richtige im Lotto glaubt, soll seine Sache sein. Den einen halte ich nicht für klüger als den anderen, aber ein wenig lächeln sollten wir über beide dürfen.
Da ich kein Konvertit, nur ein Ungläubiger bin, will ich nicht gegen eine bestimmte Religion eifern, sondern Religionen überflüssig machen. Denn als Gespinste der Irrationalität müssen sie mit dem vielleicht zufälligen, doch immer konsequenten, rationalen Zustand von Gesellschaft und Materie kollidieren. Natürlich sind diese Kollisionen Triebkräfte der Geschichte, doch gäbe es ohne sie keinen Stillstand, nur weniger Tote. Neugierde, der Wunsch nach einem nicht nur materiell besseren Leben, die Einsicht in die Notwendigkeit sozialer Weiterentwicklung, der Kampf gegen mentale wie ökonomische Rückständigkeit, kurz Liebe und Arbeit als ureigenste Bedürfnisse des Menschen machen das Leben sinnvoll auch ohne Religion.
Auf lange Zeit noch werden religiös gerechtfertigte Kriege unvermeidbar sein, und da ich nicht möchte, dass mir irgendjemand vorschreibt, ob, wann und was ich zu denken, zu essen, zu rauchen und trinken und anzuziehen habe, rufe auch ich als sehr friedfertiger Mensch zum Widerstand zunächst gegen Andersgläubige, danach aber gegen den Glauben allgemein auf. Ersterer ist dringend und muss militärisch  geführt werden, letzterer bedarf nur der Waffen der Aufklärung, wird aber auch in Dummheit siegreich enden. Entweder machen Erfahrung und Wissen eines noch sehr fernen Tages den Glauben überflüssig, oder er wird mit dem letzten Menschen untergehen. Die Materie jedenfalls, die von uns übrig bleibt, bedarf des Glaubens nicht. 

pawek@web.de © 2001 Karl Pawek a


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