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Vorsicht
19.11.04 Obwohl ComputerBild mangels ideologischer Anknüpfungspunkte zu den informativsten Produkten aus dem Hause Springer zählt, glaube ich nicht, dass sich die Leserinnen und Leser dieser Zeitschrift für politische Nachrichten interessieren. Dennoch findet sich in der aktuellen Ausgabe von ComputerBild neben den üblichen Soft-, Hardware und Autoanzeigen ein ganzseitiges Inserat rein politischen Inhalts. Es zeigt einen bewaffneten US-Soldaten beim Eindringen in ein (arabisches ?) Wohnviertel. In die Waffe ist anstelle des Abzugs das Bild eines Benzinzapfhahns einmontiert. Anzeige N24
Die Aussage der aus der HP-Werbung abgekupferten Montage ist klar: Amerika führt den Irakkrieg wegen des Öls. Nun glauben dies sogar ComputerBild-Leser zu wissen, denen die Zusammenhänge von Wirtschaft und Politik ansonsten nicht so klar sind. Im Falle der USA freilich reduzieren sie jede militärische Gewalt auf das von bösen Konzernen schamlos betriebene Profitstreben, schließlich haben ihnen das die Kriegsgegner und die ausnahmsweise ebenso friedensbewegten Medien oft genug eingeflüstert.
Bei der Anzeige könnte es sich also um Sympathiewerbung handeln nach dem Motto: „Seht, wir teilen Euer Vorurteil.“ Auftraggeber könnten die Grünen oder andere rechte Parteien sein, die im Bildtext zudem versprechen: „Wir kommen zur Sache.“
Doch wer hier wirklich zur Sache kommt, offenbart das Logo N24. Hier wirbt ein sogenannter Nachrichtensender nicht mit Hinweisen auf schnelle, umfassende, möglichst objektive Information, sondern mit dem Versprechen: „Bei uns findest du deine (von uns mitgeschaffenen) Vorurteile bestätigt.“ Selten hat eine Anzeige treffender den Verfall der Medienkultur, die Perversion der Pressefreiheit dokumentiert.

pawek@web.de © 2004 Karl Pawek a

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