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Vorsicht
20. 04. 00 Der Areopag, Griechenlands höchstes Gericht, erklärte ein Urteil gegen die Bundesrepublik Deutschland für rechtskräftig und vollstreckbar, das die Rechtsnachfolgerin Nazideutschlands zu Entschädigungszahlungen an griechische NS-Opfer verpflichtet. 

Nach Angaben des griechischen Ministeriums für Wiederaufbau wurden während der deutschen Besetzung Griechenlands 130 000 Zivilisten ermordet oder in Vernichtungslager verschleppt, 300 000 Griechen erfroren oder verhungerten infolge der Beschlagnahme von Lebensmitteln und Brennstoffen. Von deutschen Soldaten wurden 408 000 Wohnungen, 50% der Industrieanlagen, 75% des Straßen- und Schienennetzes, 73% der griechischen Handelsflotte zerstört. Allein für Sach- und Finanzschäden sprach die Pariser Konferenz 1946 Griechenland eine Entschädigung von mehr als 10 Mrd. $ zu. 

Zum unverdienten Glück für Deutschland vertagte das Londoner Schuldenabkommen alle Reparationsansprüche auf die Zeit nach Abschluss eines Friedensvertrages. Da ein solcher Vertrag nie geschlossen werden musste, steht das von einem grünen Minister unter sozialdemokratischer Federführung geleitete Außenministerium auf dem Standpunkt, die Ansprüche der Griechen (wie die anderer Nationen) seien verjährt, die Rechtsnachfolgerin der Täter daher zu nichts verpflichtet. 

Griechenland will seine Forderungen nun über die EU-Kommission geltend machen und notfalls den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen. Dann wird sich zeigen, wer in Europa das Sagen und welchen Zweck die schon in der Endphase der Naziherrschaft konzipierte Europäische Union wirklich hat. 

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek


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