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Vorsicht
24.09.01 Hamburg hat gewählt. Fast 20% gaben in dieser angeblich so weltoffenen, liberalen Stadt ihre Stimme einem Amtsrichter Schill, dessen erst kürzlich gegründete Partei nichts anderes ist als eine Bürgerwehr gegen Diebe, Ausländer und Verkehrsbehinderungen.
Der triumphale Wahlsieg dieser rechten Bewegung hat viele Hamburger und Hamburgerinnen erschreckt und ratlos gemacht. Waren es wirklich nur Versäumnisse der SPD, die jede fünfte „Hanseatin“, jeden fünften „Hanseaten“ in die Arme des „Richter gnadenlos“ trieben?
Die Ursachen liegen tiefer. Schill ist auch ein Produkt der Hamburger Presse, die seit Jahren ihren Leserinnen und Lesern jedes Delikt in dieser Stadt als schreckliche Gefährdung von Leib und Leben darstellt. Wer täglich das Hamburger Abendblatt oder die Morgenpost liest, muss jeden Gang auf die Straße, jede Fahrt mit einer U- und S-Bahn als angstvolle Tortur erleben. 
Viel bedeutsamer jedoch für Schills Wahltriumph ist sein Angebot, endlich eine rechtsradikale Partei wählen zu können, die nicht mit dem (immer noch mühsam aufrecht erhaltenen) Makel des Nazismus behaftet ist. Wer bei DVU und NPD trotz aller klammheimlicher Sympathie noch zögerte, konnte bei einem von der CDU als Koalitionspartner legitimierten Rechtsextremen seinen dumpfen Gefühlen ganz demokratisch freien Lauf lassen. Schills Wahlerfolg ist also so überraschend nicht, sondern ausbaufähig bis in den 50-Prozent-Bereich. Denn der Norden holt nur nach, was in Bayern seit Jahrzehnten funktioniert: Unter Verzicht auf rechtsradikale Reizwörter rechtsradikale Politik zu machen. 
pawek@web.de © 2001 Karl Pawek a

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