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Vorsicht

26.02.06 „Bloody Mary“, die 139. Episode der Zeichentrickserie “South Park”, berichtet von einer blutenden Marienstatue. Ein solches Wunder ist für viele Katholiken nichts Ungewöhnliches, verzücken doch blutende Heiligenstatuen und –bilder weltweit Millionen Pilger. Auch Randy, Vater eines der „South Park“ - Rabauken, erhofft sich von Maria Heilung von seiner Krankheit, einer Alkoholabhängigkeit. Er drängelt sich zur Statue vor, aus der Blut in sein Gesicht spritzt. Sofort beschließt er, nie mehr Alkohol zu trinken, ein Wunder habe ihn geheilt.

Doch wenig später muss er erfahren, dass Papst Benedikt XVI., den bei einer Visite die Marienstatue ebenfalls mit Blut bespritzt hat, das Phänomen nicht als Wunder, sondern als ganz profanen natürlichen Vorgang erklärt: Frauen menstruieren, und die Menstruation sei ganz gewiss kein Wunder. Schwer enttäuscht bestellt sich Randy einige Drinks.

Schon die Erstaustrahlung dieser Episode im amerikanischen Fernsehen empörte konservative Christen. Sie forderten die Sender auf, sich bei allen Katholiken zu entschuldigen, die Folge zurückzuziehen und sie auch nicht auf DVD zu veröffentlichen. Zumindest der amerikanische Sender „Comedy Central“ (Viacom) beugte sich diesem Verbotsaufruf.

Als nun bekannt wurde, dass der neuseeländische Sender C4 die Folge im Mai 2006 ausstrahlen wolle, waren sich, unterstützt von Premierministerin Helen Clark, Katholiken, Juden und Muslime einig: Diese Blasphemie gilt es zu verhindern. Während sich der Präsident der katholischen Bischofskonferenz Neuseelands nur „bitter enttäuscht“ zeigte über die Absicht der Ausstrahlung und eine Boykottkampagne gegen den Sender und seine Werbekunden ankündigte, fand der Präsident des islamischen Bundes Neuseelands härtere Worte: „Wie die Katholiken und die größere christliche Familie sind auch die muslimischen Bürger Neuseelands geschockt und fühlen sich zutiefst beleidigt von der Darstellung der Mutter Jesu in einer derart geschmacklosen Weise ... Wir betrachten Maria als Beispiel für einen perfekten Menschen. Dieser Zeichentrickfilm erniedrigt nicht nur ihre Person, sondern auch die, die sie verehren, und die gesamte Menschheit.“ Zwar spielt die Jungfrau Maria im Islam kaum eine Rolle, aber Javed Khan spricht immerhin offen aus, was die katholischen Konservativen meinen, sich aber noch nicht wieder zu propagieren trauen: Die Jungfrau Maria darf bluten, aber nicht menstruieren, denn – sei sie nun Gottes Mutter oder ein „perfekter Mensch“ – die Menstruation macht Frauen und alle, die mit einer Menstruierenden Umgang haben, schmutzig.  Dass diese uralte abstruse Vorstellung von den Gefahren des Menstruationsblutes noch immer das Denken orthodoxer Juden und aller Muslime beherrscht, ist bekannt, dass aber auch Katholiken eine menstruierende Maria unerträglich finden, lässt am zivilisatorischen, aufklärerischen Vorsprung des Westens zweifeln.

Trotz des Boykottaufrufes, der mehrere Werbekunden veranlasste, Aufträge zu stornieren, strahlte C4 die „Bloody Mary“ – Episode bereits am 22.2.06 aus und erreichte damit 210 000 Zuschauer, sechsmal so viele wie gewöhnlich. Nun darf man gespannt sein, wie sich der deutsche „South Park“ – Sender RTL (z. Zt. bei Folge 73) verhalten wird. Wetten, dass nicht?

pawek@web.de © 2006 Karl Pawek a

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