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Vorsicht
26.09.00 Gelegentlich gibt es Nachrichten, die Spaß machen könnten wie die Meldung, dass der Euro ungefähr so stark ist wie der Rubel oder der Simbabwe-Dollar. Alle drei Währungen haben in den letzten 20 Monaten rund 27% ihres Wertes gegenüber dem Dollar verloren.

Der Spaß vergeht einem freilich, wenn man die Folgen bedenkt. Allmählich wird die Euro-Schwäche in Deutschland als beleidigend empfunden. Noch lügt man sich in die eigene Tasche und spricht von einer Dollarstärke, was ein wenig lächerlich ist, hat doch der Wert des Yen gegenüber dem Euro im gleichen Zeitraum sogar um 31% zugelegt, obwohl sich die japanische Wirtschaft, wie alle Experten versichern, immer noch in einem desolaten Zustand befindet.

Nun bietet der Ölpreis Gelegenheit, währungspolitische Frustationen abzureagieren und die sich beschleunigende Inflation durch die Gier der Ölförderländer  zu erklären. Während jedem nationalen Unternehmen selbstverständlich das Recht zugesprochen wird, seine Produkte so teuer wie nur möglich zu verkaufen, müssen sich die erdölproduzierenden Länder schärfste Mahnung gefallen lassen. Und wenn der Kanzler, seine Minister und die Politikerinnen und Politiker der Opposition von den (Öl-) „Konzernen“ sprechen, meint man fast klassenkämpferische Töne herauszuhören. Es dauert wohl nicht mehr lange, bis wir die ersten Verschwörungstheorien über die Euroschwäche vorgesetzt bekommen werden.

Als schlau erweist sich ausnahmsweise der Innenminister. Er will den Beamten anstelle des angekündigten Inflationsausgleichs 1,8% mehr Einkommen im kommenden und 2,2% im darauf folgenden Jahr gewähren. Der Minister ahnt wohl bereits, dass diese Großzügigkeit dem Staat billiger kommen wird als eine Bindung der Beamtenbesoldung an die Inflation. 
 

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek a


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