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Vorsicht

27.11.07 Fast ausschließlich Männer diskutieren (und entscheiden) die Frage, ob für die Genforschung Stammzellen aus Embryonen gewonnen werden dürfen. Frauen scheinen noch gar nicht bemerkt zu haben, wie sehr das Ergebnis dieser nur anscheinend wissenschaftlichen Diskussion ihr Leben beeinflussen wird.

Moraltheologen wie Eberhard Schockenhoff, Mitglied des Nationalen Ethikrates, opponieren nicht gegen die Genforschung und die daraus folgende Genmanipulation. Wahrscheinlich verstehen sie nicht viel von ihr, vielleicht interessiert sie die Genforschung gar nicht. Ihnen geht es vordergründig allein darum zu verhindern, dass künstlich gezeugte überflüssige Embryonen zu Forschungszwecken benutzt werden. Denn: „Die Instrumentalisierung von Embryonen, ihre Verwendung zu fremden Zwecken, die ihrer eigenen Existenz äußerlich sind, widerspricht dem Grundsatz, dass jedes menschliche Individuum um seiner selbst willen zu achten, zu fördern und zu lieben ist.“

Gut christlich erklären sie den Embryo zum Menschen. Zwar trifft es zu, dass ein Embryo das Potential zum Menschen in sich trägt. Ihn aber Mensch zu nennen ist absurd. Wie der Apfelkern kein Apfelbaum ist, hat der Zellklumpen Embryo keine menschlichen Eigenschaften. Er ist Rohmaterial, dessen Entwicklung vielleicht schon in der Gebärmutter, entscheidend aber erst nach der Geburt erfolgt. Das Individuum Mensch entsteht in der Kommunikation, Interaktion mit der Umwelt, sie formt das Babytier zum Wissenschaftler, Sportler, Mörder, Manager, Künstler, Asketen etc.

Dies ausführlich zu diskutieren ist hier nicht der Platz und noch dazu sinnlos. Denn wer an die Seele, gar - im Unterschied zu früheren Kirchenlehrern – an die Beseelung des Ungeborenen, des Embryos glaubt, ist einer rationalen Diskussion nicht zugänglich. Hier interessiert etwas ganz anderes:

Sollte sich der Glaube der Embryonenschützer durchsetzen, also bereits dem Embryo eine Menschenwürde zugesprochen werden, ist Abtreibung Mord. Den Embryonenschützern geht es in Wahrheit nicht um ein paar tausend Zellhaufen, die, wenn sie nicht der Genforschung dienen, im Müll landen, sondern um die Millionen Abtreibungen, die schon als Möglichkeit Frauen ein selbstbestimmteres Leben erlauben. Was sich als Embryonenschutz ausgibt, ist nur der Versuch, das Patriarchat doch noch zu retten. 

pawek@web.de © 2007 Karl Pawek a

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