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Vorsicht
27.12.1999 Hamburgs Polizisten, wenig zimperlich im Umgang mit unliebsamen Journalisten oder ausländischen, gar schwarzhäutigen „Mitbürgern“, ließen sich durch ein eigens geschaffenes „Dezernat Interne Ermittlungen“ kaum beeindrucken und griffen weiterhin oft härter zu als notwendig. Daher wurde im vergangenen Jahr eine von zwei Rechtsanwälten und einem Kriminologen geleitete Polizei-Kommission eingesetzt, deren Jahresbericht dem Übel offensichtlich mit politischer Korrektheit beikommen will. So heißt es z. B. in dem kürzlich veröffentlichten Bericht: 

„In neun der 15 Fälle waren an den Konflikten zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten – als solche erkennbare – Ausländerinnen und Ausländer, darunter acht Schwarzafrikanerinnen und Schwarzafrikaner, beteiligt.“

Es ist ein Kennzeichen jedes Rituals, dass es an den ihm zugrunde liegenden Verhältnissen nichts ändert, sondern die Ursachen nur vernebelt. Gegen Korpsgeist, Menschenverachtung und Unbeherrschtheit hilft nicht politische Korrektheit in der Beschreibung, sondern nur die korrekte Anwendung bestehender Gesetze und Verordnungen. Ob es sich nun um – als solche erkennbare – Polizeibeamtinnen oder Polizeibeamte handelt oder um Beamtinnen und Beamte, die als solche nicht erkennbar sind, wer ein Vergehen verantwortet, muss seinen Dienst im Auftrag der Gesellschaft quittieren. Und wenn andere Beamtinnen und Beamte nicht willens sind, Vergehen von Kolleginnen und Kollegen zu ahnden, hilft es nichts, einen von der Kommission vorgeschlagenen Fonds für Entschädigungszahlungen einzurichten, mit dessen Hilfe schwere, durch polizeiliches Handeln verursachte Schäden „durch freiwillige Schmerzensgeldzahlungen abgemildert werden, wenn die Voraussetzungen für einen gesetzlichen Anspruch nicht gegeben sind.“ Hier muss sich die Bürgerin wie der Bürger verarscht fühlen, wenn er und sie nicht nur den Lohn gesetzesbrecherischer Gesetzeshüter, sondern auch noch die Folgekosten ihres Handelns bezahlen sollen. Wo Recht angewendet würde, könnte auf politische Korrektheit verzichtet werden. 

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek


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