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Vorsicht
28.11.02 Der nigerianische Mob, der in Kaduna Jagd auf Ungläubige und Christen machte, Dutzende Tötete und Hunderte verletzte, unterscheidet sich nur in der Hautfarbe vom deutschen Mob, der in der „Reichskristallnacht“ den Juden das Fürchten lehren wollte. Hier wie dort wurde der Nicht-, der Andersgläubige zum Freiwild.
Diese Verbundenheit im Ungeist scheint neben Antisemitismus und Antiamerikanismus die Grundlage deutscher Nahostpolitik zu sein, deren Auswirkung ein deutscher Besucher in Syrien zu hören bekam: „Saddam ist gut. Und Schröder ist auch gut.“
Das deutsche Verständnis für die Leiden der Palästinenser, der Iraker gilt gewiss weniger den Massenmördern und deren Mitläufern, als dem antisemitischen Verbündeten. Möllemann hat dies früh begriffen, und ich bin mir gar nicht sicher, ob eine Möllemann-Partei wirklich chancenlos wäre. Denn der Antisemitismus in Deutschland hat eine ungebrochene Tradition  sogar in der sogenannten Linken.
Als Israel zunächst vergeblich Deutschland um Flugabwehrraketen bat und die Bundesregierung zwecks Besänftigung des ehemaligen Verbündeten USA einer erneuten Bitte entsprechen musste, erklärten sozialdemokratische wie grüne Politiker ihrem Wählervolk die Ausleihe mit den gleichen Worten: Man könne Israel diesen Wunsch nicht verwehren.
Wenn ein Freund in der Not Sie um Hilfe bittet, werden Sie ihm zur Hilfe eilen, ihn unterstützen, ihn schützen wollen. Wenn er sich allerdings nur für Ihren Freund hält und Sie in ihm nur ein Arschloch sehen, dies aber aus geschäftlichen Gründen nicht offen aussprechen dürfen, werden Sie ihm seinen Wunsch „nicht verwehren“. Ihre tatsächlichen Freunde verstehen die Formulierung schon richtig. Juden hoffentlich auch.


pawek@web.de © 2002 Karl Pawek a

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