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Vorsicht
30.10.00 Während Frankreich nach einer notwendigen Gesetzesänderung die kostenfreie Abgabe der "Pille danach" an Schulen eingeführt hat und in unserem Nachbarland inzwischen über 20 % aller Abtreibungen medikamentös (RU 486) durchgeführt werden, droht die deutsche Abtreibungspille „Mifegyne“ vom deutschen Markt zu verschwinden, nachdem im ersten Jahr nach ihrer Einführung nur 600 bis 700 Packungen abgesetzt werden konnten. Da die Lagerbestände ihre Haltbarkeitsgrenze erreicht haben, müssen nun Pillen im Wert von 1 Million DM vernichtet werden.
Verantwortlich für diese Entwicklung ist auch der von deutschen Lebensschützern erzwungene Sondervertriebsweg, der eine Abgabe in Apotheken verhinderte. „Mifegyne“ musste (anders als z. B. Morphium oder extrem wirksame und entsprechend gefährliche Psychopharmaka) direkt und mit Transportnachweis an Kliniken oder Ärzte geliefert werden, um jeden Missbrauch auszuschließen.
Doch im Unterschied zu den 60er Jahren, als auf dem Gebiet der Sexualität noch Moral die Verhältnisse bestimmte, bedarf es heute keines Überbaues mehr, müssen sich wirtschaftliche Interessen nicht mehr ideologisch rechtfertigen. Denn nicht so sehr moralischer Eifer, sondern die Gewinnsucht von Ärzten verdrängte die Pille vom Markt: Während für einen chirurgischen Schwangerschaftsabbruch ein Honorar zwischen 450 und 600 DM fällig wird, dürfen Ärzte für einen von den Kassen bezahlten medikamentösen Eingriff nur 120 DM in Rechnung stellen. Frauen allerdings, die bereit waren, bis zu 800 DM für die Anwendung des Medikamentes selbst zu bezahlen, wurden anstandslos von Ärzten bedient.
Statt dieses  skandalöse Verhalten anzuprangern, will nun Bundesfamilienministerin Bergmann (SPD) „Mifegyne“ vor dem Verschwinden bewahren, indem sie den Ärzten eine „angemessene“ Vergütung für die Verschreibung verspricht, wobei sich „angemessen“ nicht auf den mit DM 120 schon gut bezahlten Aufwand, sondern auf die übliche Honorarerwartung von Ärzten bezieht. Es gibt nicht mehr viele Ärzte und keine Ministerin, keinen Minister, vor denen ich noch annähernd so viel Hochachtung habe wie vor meinem Schlachter und meiner Zigarettenverkäuferin. 

pawek@web.de © 2000 Karl Pawek a


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